Menorca ist die zweitgrößte Baleareninsel und doch kennen viele sie nur vom Namen her. Die meisten deutschen Tourist*innen bleiben ihrer Lieblingsinsel Mallorca treu und nur wenige wagen den ‚Absprung‘ rüber zu dem kleinen Nachbareiland. Dabei hat Menorca besonders für Strand- und Naturliebhaber*innen einiges zu bieten.
Palmen, Sonne, Meer und ein wenig spanische Leichtigkeit – danach haben wir uns im kalten deutschen Februar letztes Jahr gesehnt und uns kurzerhand bei Home Exchange nach einer Unterkunft umgeschaut. Auch wir sind dabei eher zufällig auf Menorca gelandet. Und hatten bei herrlichem Winterwetter eine wunderbare Zeit.
Besonders in der Nebensaison hat man hier seine Ruhe und kann von einer einsamen Bucht zur nächsten streifen, faszinierende Leuchttürme besuchen und durch die Gassen der Inselstädtchen schlendern. Zwar haben viele Lokale und Unterkünfte noch geschlossen, aber dafür hatten wir wir Insel auch fast für uns allein.
Das Schöne an Menorca sind die kurzen Distanzen. Schon in einer Woche kannst du die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ausgiebig erkunden und ganz viel Zeit am Meer und in der Natur verbringen.

Wanderung von Cala zu Cala – die schönsten Buchten in Menorcas Süden
Der beste Ausgangspunkt für das Erkunden der paradiesischen Buchten an der Südküste Menorcas ist der kleine Touristenort Cala Galdana. Diesen erreichst du über die Me-22, die von der Inselhauptstraße Me-1 auf Höhe von Ferreries abzweigt. Hier kannst du parken und dich in der Hauptsaison auch mit Proviant und Café con Leche versorgen. In der Nebensaison jedoch hat hier fast alles geschlossen. Nur im Restaurant La Cala am Ortseingang könntest du Glück haben, du solltest dich aber nicht darauf verlassen.

Cala Mitjana
Zurecht als eine der schönsten Buchten Menorcas bezeichnet, ist die Cala Mitjana nur zu Fuß zu erreichen. Du kannst entweder auf einem Parkplatz außerhalb von Cala Galdana parken (ausgeschildert mit Parking Cala Mitjana – nicht zu übersehen) und auf direktem Weg in circa 15 Minuten zum Strand laufen. Hierzu folgst du dem Camí de Cala Mitjana (vom Parkplatz ausgeschildert).
Wenn du Lust auf eine etwas längere Wanderung hast, empfehle ich dir, von der Strandpromenade in Cala Galdana nach links zu starten. Am Ende der Bucht erreichst du Stufen, die dich nach oben zu den Villen der Stadt bringen. Oben angekommen lohnt sich ein Abstecher zu den beiden Miradores (Aussichtspunkten). Dazu einfach rechts abbiegen und den Schildern folgen. Zur Cala Mitjana geht es nach links, bevor du nach circa 150 Metern rechts auf den Wanderweg Camí de Cavalls einbiegst und hinter den Häusern in den Pinienwald eintauchst. Auf keinen Fall solltest du den Abzweig zum nächsten Aussichtspunkt verpassen, der circa 500 Meter später rechts vom Weg abgeht und dir einen ersten atemberaubenden Blick auf die türkisblaue Cala Mitjana bietet.

Zurück auf dem Hauptweg siehst du bald ein weißes Haus, das zu einem alten Steinbruch gehört, der sich hinter den Bäumen versteckt. Nun ist es nicht mehr weit bis nach unten zum Wasser und der bezaubernden Mini-Bucht Cala Mitjaneta. Dort gibt es in der Hochsaison ein kleines Strandcafé, in der Nebensaison dienen die überdachten Bunkerüberreste als schöner, schattiger Pausenplatz mit Blick auf die Cala Mitjana.
Die Hauptbucht erreichst du schließlich über hölzerne Plankenwege. Das Wasser ist kristallklar und die ganz Tollkühnen springen von den Klippen über 10 Meter in die Tiefe.
Zurück geht es auf dem gleichen Weg, oder du folgst den Schildern und läufst in Richtung Parkplatz und von da zurück ins Zentrum von Cala Galdana.

Cala de Trebaluger
Solltest du noch nicht genug vom Wandern haben, dann findest du auf der linken Seite der Bucht einen Treppenaufgang, der dich zu einem ‘Aussichtsbunker’ bringt und weiter durch den Wald zu einem anderen wunderschönen Strand. Die Cala de Trebaluger ist sehr viel offener und weniger pittoresk als die Cala Mitjana, strahlt aber eine Wildheit aus, die uns echt beeindruckt hat. Auch finden weniger Menschen den Weg hierher, sodass uns an diesem sonnigen Februartag der Strand ganz allein gehörte und es hier auch in der Hochsaison relativ ruhig ist.

Cala Macarella
Zurück in Cala Galdana kannst du nach einer kleinen Stärkung in einem der Strandrestaurants gleich noch in die andere Richtung weiterlaufen und erreichst über den Camí de Cavalls den Strand der Cala Macarella. Der Weg dahin führt gut markiert über felsige Wege durch wunderschöne Olivenhaine. Immer wieder gibt es die Möglichkeit, über Stichwege kurze Abstecher zum Steilufer zu unternehmen und von jedem der Aussichtsplätze einen anderen Blick auf die zerklüftete Küste Menorcas zu werfen.
Nach knapp 3 Kilometern erreicht man über eine lange Holztreppe die malerische Cala Macarella. Tipp: Dieser Spaziergang ist besonders schön im goldenen Abendlicht. Für den Heimweg aber ggf. eine Taschenlampe mitnehmen.

Urbane Küstengenüsse auf Menorca
Menorca bietet eine ausgewogene Mischung an Naturerlebnissen und gemütlichen kleinen Städtchen, in denen man spazieren und genießen kann, was Land und Meer so hergeben. Die Inselspezialität ist der würzige Käse Mahón-Menorca aus Kuhmilch, den es hier an jeder Ecke zum Probieren gibt. Aber auch Meeresfrüchte und Fischgerichte aller Art kommen hier auf den Tisch.

Neben den vielen Küstenörtchen sollte ein Besuch in den beiden größten Städten Menorcas auf der To-Do-Liste stehen: Ciutadella im Westen und Maó (spanisch: Mahón) im Osten der Insel – verbunden durch die sehr angenehm zu fahrende Me-1 und nur 45 Minuten Autofahrt voneinander entfernt.

Strandspaziergang in Ciutadella
Ciutadella ist eine der beiden größeren Städte von Menorca und war bis ins 18. Jahrhundert die Inselhauptstadt. Hier kann man ganz wunderbar die engen Gässchen erkunden, sich auf der luftigen Terrasse eines der Cafés oder Restaurants niederlassen und sich durch die menorquinischen Spezialitäten schlemmen. Wie auch auf der Nachbarinsel Mallorca gibt es hier überall die buttrig-fluffigen Enseimadas, an denen wir nur schwer vorbeigehen können. Unbedingt probieren!

Eine ganz andere Stimmung geht von Ciutadella aus, wenn man sich dem Zentrum vom Meer her nähert. Von der Platja Gran südlich des Altstadtkerns führt eine palmengesäumte Strandpromenade an der felsigen Küstenlinie entlang. In der Ferne erhebt sich der achteckige Turm des Castell de Sant Nicolau, das einst der Küstenverteidigung diente und heute ein beliebter Aussichtspunkt über das weite Meer ist. An guten Tagen kann man bis zu den bergigen Ufern Mallorcas schauen.
Von hier sind es nun noch 20 Minuten Fußweg entlang der Hafeneinfahrt bis ins Stadtzentrum Ciutadellas.

Hafenstimmung in Maó – der Hauptstadt von Menorca
Während man in Ciutadella eher das Gefühl hat, dass das touristische Leben im Vordergrund steht, kann man in Maó (spanisch: Mahón) auf der gegenüberliegenden Seite von Menorca sehen, wie die Einheimischen ihren Alltag verbringen.
Ein Bummel durch die heutige Hauptstadt Menorcas mit ihrem großen Hafen gehört also auf jeden Fall dazu. Ein echter Genuss ist dabei besonders die große Auswahl an Cafés und Restaurants. Wir haben uns auf dem Fischmarkt (Mercat des Peix) den Bauch mit Tapas vollgeschlagen. Wirklich zu empfehlen!

Die wilde Nordküste von Menorca
Die westliche und südöstliche Spitze Menorcas wird von den beiden Städten Ciutadella und Maó dominiert, im Südwesten gibt es zerklüftete Buchten mit kristallklarem Karibikwasser zwischen duftenden Pinienwäldern zu entdecken. Der Norden ist anders. Die trockenen Weideflächen und schroffen Küstenstreifen, denen man nördlich von Ciutadella und Es Mercadal begegnet, faszinieren durch ihre zum Teil recht karge Wildheit. Und die Farben. Im Gegensatz zum Süden Menorcas leuchten die nördlichen Strände von gelb bis rostrot mit dem tiefblauen Wasser um die Wette.

Wanderung zur Cala Pregonda
Allen voran die Cala Pregonda. Auf der Wanderung vom staubigen Parkplatz in Binimel.là neben dem gleichnamigen Restaurant führt ein Weg über Stege hinunter zur Platja Binimel.là. Schon hier könnte man bleiben und hätte das Paradies gesehen. Doch davon erwartet uns noch einiges mehr. Der weitere Weg führt über den Strand hinauf in die Klippen und hinüber zur kleinen Cala Morts. Wir fühlen uns wie auf dem Mars, umgeben von rotem Sand und den faszinierenden natürlichen Steinformationen. Schließlich erreichen wir die von gelb-braunen Felsen umgebene Cala Pregonda, für uns eine der schönsten Buchten Menorcas.

Die Leuchttürme Menorcas
Ganze sechs Leuchttürme gibt es auf Menorca zu entdecken, die in zum Teil spektakulärer Lage rund um die Küste der Insel verteilt sind. Die drei schönsten stelle ich euch genauer vor.
Schroffe Felsen am Far de Favaritx
Auf einer schmalen Landzunge etwa 30 Minuten nördlich von Maó im Naturpark Albufera des Grau thront der schwarz-weiß gestreifte Leuchtturm Far de Favaritx. Je näher wir dem Kap kommen, umso mehr verwandelt sich die Umgebung in eine graue Mondlandschaft und wir werden fast umgepustet, als wir aus dem Auto aussteigen. Das Gelände des Leuchtturms selbst kann nicht betreten werden, aber auf den ihn umgebenden Klippen bekommt man die Kraft des Windes und der Wellen auf sehr eindrückliche Art zu spüren.

Karge Weidelandschaft am Far de Punta Nati
Ganz anders wirkt die fast wüstenähnliche Weidelandschaft, die wir auf dem Weg zum Far de Punta Nati durchqueren. Die Abendsonne taucht die steinigen Felder, die durch Trockenmauern voneinander abgegrenzt sind, in goldenes Licht. Vorbei an grasenden Schafen erreichen wir den Leuchtturm, der nur 15 Minuten von Ciutadella entfernt liegt. Der perfekte Platz, um einen atemberaubenden Sonnenuntergang zu bestaunen. In der Hauptsaison unbedingt pünktlich da sein, da der Parkplatz sich schnell füllt. Wir hatten diesen magischen Ort im Februar ganz für uns allein.

Wilde See am Far de Cavalleria
Als leuchtend weiße Schönheit erhebt sich der älteste und nördlichste Leuchtturm Menorcas fast 100 Meter über dem Meer. Mit seinem kleinen Museum und einer Bar zieht der Far de Cavalleria in der Hochsaison besonders zum Sonnenuntergang wahre Menschenmassen an. Warum also nicht den Spieß umdrehen und vielleicht einmal ganz früh raus aufs Kap fahren, um die magischen Morgenstunden zu genießen?

Monte Toro – Der höchste Berg Menorcas
‘Hoch hinaus’ ist auf dem verhältnismäßig flachen Menorca eher relativ. Und doch hat man vom 358 Meter hohen Monte Toro einen Wahnsinnsblick auf die gesamte Insel. Auch auf dem Gipfelchen selbst gibt es einiges zu entdecken: der hübsche Innenhof des ehemaligen Klosters Santuario de la Virgen del Toro, der in der Abendsonne rot leuchtende Wehrturm der alten Verteidigungsanlage und der mit weit geöffneten Armen abgebildete Jesus in Form einer Statue, die sich über allem erhebt. Von April bis Oktober ist das Restaurant Sa Posada del Toro geöffnet.

Tipp für die Nebensaison auf Menorca: Wir standen häufig vor verschlossenen Restauranttüren, das gemütliche Restaurant es Molí d’es Racó in Es Mercadal (unverkennbar, da es sich in einer alten Mühle befindet, die man schon von Weitem erkennt) hat uns dafür gleich zweimal mit offenen Armen empfangen und hervorragend verköstigt. Unter anderem kam hier die für uns bisher beste Paella unseres Lebens auf den Tisch. Und wir durften das Lokal nicht verlassen, bevor wir nicht noch Eis, Kaffee und ein paar Schnäpschen zu uns genommen hatten.

Fernwandern auf Menorca – Camí de Cavalls
Auch Fernwandernde kommen auf Menorca auf ihre Kosten. Der Camí de Cavalls führt, immer an der Küste entlang, einmal um die ganze Insel.
In 20 Etappen kann man auf dem ‘Weg der Pferde’ (GR223) die große Diversität der kleinen Insel erleben und kommt am Ende auf stattliche 185 Kilometer. Vorbei an fast allen hier in meinem Beitrag erwähnten Ausflugszielen und Naturerlebnissen geht es durch die abwechslungsreiche Landschaft Menorcas. Dabei können die Etappen, die zwischen 5 und 13 Kilometern lang sind, auch als einzelne Tageswanderungen unternommen werden.

Solltest du den Camí de Cavalls wandern wollen, ist eine gute Planung im Voraus unerlässlich. Folgende Wanderführer sind praktische Begleiter bei der Vorbereitung und unterwegs:
- Der Camí de Cavalls: Menorca (Guia & Mapa) – inkl. guter Wanderkarte*
- Menorca: Camí de Cavalls (OutdoorHandbuch)*
Brauchst du Hilfe dabei und möchtest den ganzen Orgakram den Profis überlassen? Dann kannst du dich an das kleine menorquinische Reiseunternehmen Camí de Cavalls 360° wenden, das alle Unterkünfte etc. für dich bucht. Dabei nehmen sie auch Rücksicht auf dein Budget und andere Sonderwünsche.
